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Muss ich angefallene Inkassokosten (in der verlangten Höhe) bezahlen?

Wer eine fällige Forderung nicht rechtzeitig (i.d.R: nach Mahnung) bezahlt, gerät in Verzug (§ 286 BGB). Nach Eintritt des Verzuges hat man den hierdurch entstehenden Schaden zu bezahlen (§ 280 BGB). Die unserem Mandanten durch unsere Beauftragung entstehenden Kosten (aufgrund Inkassovertrag) sind ein solcher Schaden, der dann von Ihnen zu bezahlen ist.

Wie überprüfe ich die Höhe der geltend gemachten Inkassokosten?

Die Höhe der Inkassokosten wurde zwischen uns (der EWD) und unseren Mandanten vertraglich vereinbart. Ihnen gegenüber kann der Gläubiger (unsere Mandanten) diese Kosten maximal in Höhe des Schadens ersetzt verlangen, die einem Rechtsanwalt für diese Tätigkeit zustehen würde, vgl. § 13e RDG (Rechtsdienstleistungsgesetz).

Damit finden sich die Regelungen zu den Inkassokosten im RVG (Rechtsanwaltsvergütungsgesetz). Die Berechnung dieser Kosten ist leider etwas kompliziert:

I. Gebühren nach Forderungshöhe (vgl. §§ 2, 13 Abs. 1 RVG)

Die Höhe der Gebühren berechnet sich zunächst anhand der Höhe der geltend gemachten Hauptforderung. Hierzu findet sich in Anlage 2 zu § 13 RVG eine entsprechende Gebührentabelle. Siehe z. B. hier: https://www.gesetze-im-internet.de/rvg/anlage_2.html Diese Gebühr hat dann den Faktor 1,0. Das hört sich zunächst seltsam an, ist aber für das Verständnis der „Faktoren“ weiter unten (unter II.) wichtig.

II. Gebühren nach Umfang / Art / Tätigkeit (§ 13 Abs. 2 RVG)

Nachdem man die Gebühr anhand der Forderungshöhe berechnet hat (siehe oben), kann diese Gebühr noch je nach Umfang und Art der Tätigkeit niedriger oder höher ausfallen. Die Regeln hierzu sind in einem Vergütungsverzeichnis (VV RVG) geregelt, welches als „Anlage 1“ im Internet z. B. hier erreichbar ist: https://www.gesetze-im-internet.de/rvg/anlage_1.html

Praktisch relevant für unsere vorgerichtlichen Gebühren sind vor allem die Nummern 2300 sowie 7002 aus diesem Vergütungsverzeichnis.

Ziffer 2300 VV RVG

Regelt die „allgemeine Geschäftsgebühr“ für außergerichtliche Tätigkeiten. Dort ist ein Faktor zwischen 0,5 und 2,5 [bezogen auf den Faktor 1, siehe oben unter I.) vorgesehen. Für das Inkasso praktisch relevant sind folgende Faktoren:

Faktor 0,5 (einfacher Fall)

Liegt vor, wenn die Gesamtforderung vollständig innerhalb der Zahlungsfrist aus unserem ersten Mahnschreiben hin beglichen wird.

Faktor 0,9 (normaler Fall)

Ist der Regelfall für unbestrittene Forderungen, wenn kein einfacher Fall vorliegt.
Beispiele:
• Die Frist aus unserer ersten Zahlungsaufforderung ist abgelaufen
• Es wurde eine Zahlungsvereinbarung innerhalb der ersten Zahlungsfrist getroffen
• Es ist weiterer Schriftverkehr erforderlich

Faktor 1,3 (schwerer/umfangreicher Fall)

Liegt vor, wenn die Forderung bestritten wurde oder die Eintreibung durch uns besonders schwierig oder umfangreich wird.

Ziffer 7002 VV RVG

Regelt die Pauschale für Entgelte für Post- und Telekommunikationsdienstleistungen. Diese beträgt 20 % der Gebühr gem. Ziffer 2300, maximal jedoch 20,00 €

Beispiel: Wenn wir gegen Sie eine Hauptforderung (also ohne Kosten und Zinsen) in Höhe von 600,00 € geltend machen:
• Dann beträgt die vorgerichtliche Inkassogebühr aus Ziff. 2300 VV RVG: 88,00 € (Faktor 1)
• Hinzu kommt die Auslagenpauschale in Höhe von 20%, hier also 17,60 €
• Bei einem „einfachen Fall“ (siehe oben) beträgt der Faktor 0,5, die Gebühr würde sich also von 88,00 € auf 44,00 € reduzieren (zzgl. dann einer entsprechend reduzierten Auslagenpauschale in Höhe von nur 8,80 €

Unsere Aufforderungsschreiben enthalten eine genaue Forderungsaufstellung inklusive der genauen Bezeichnung der Rechtsgrundlage, auf der die entstandenen Inkassokosten beruhen. Wenn weitere Fragen hierzu bestehen, kontaktieren Sie uns gerne!

Von einer Erläuterung der gerichtlichen und nachgerichtlichen Inkassokosten sehen wir an dieser Stelle ab, da dies den Rahmen von FAQ sprengen würde.

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